Text zum Jubiläumskatalog 2014 Peter Seharsch
von Maximiliane Mohl, M.A., Kunsthistorikerin, Heidelberg 21.07.2014

Es ist mir eine besondere Freude, die Jubiläumsausstellung 'Mein farbiger Weg' anläßlich des 70-jährigen Geburtstags des Künstlers Peter Seharsch mit einigen kunsthistorischen Worten einleiten zu dürfen.

Peter Seharsch, seit 1976 mit seinem Atelier und seiner Galerie in Lich und im Zisterzienserkloster Arnsburg sowie in seinem Künstlerhof in Lich-Muschenheim beheimatet, hat seitdem diese Region künstlerisch wie menschlich geprägt. Er ist jedoch weit über seine Heimatregion bekannt, in ganz Deutschland sowie der Schweiz ist er in zahlreichen Ausstellungen vertreten, Institutionen wie die Hessische Staatskanzlei aber auch internationale Firmen gehören zu seinen Auftraggebern.

Diese Jubiläumsausstellung präsentiert sich als eine große Werkschau, die das künstlerische Schaffen Peter Seharschs in all seinen Facetten aufzeigt und den Besucher staunen läßt.

Vielschichtig ist sein Werk, von Stilleben, Portraits, Landschafts-darstellungen - von der heimischen Wetterau bis zu Werkzyklen aus Sylt, Masuren, Venedig, Tibet oder aus anderen Regionen der Erde, die Peter Seharsch künstlerisch anziehen - bis hin zur abstrakten Malerei, breitet sich vor dem Besucher eine Panoptikum der künstlerischen Möglichkeiten aus. So unterschiedlich die Themen sind, so offenbaren sie dem Besucher immer die Intensität, mit denen Peter Seharsch sich dem jeweiligen Thema widmet.

Seharschs Techniken sind dabei vielzählig. Neben der zu Beginn seiner Laufbahn angewandten klassischen Ölmalerei gehört die Aquarellmalerei zu seinen favorisierten Techniken, besonders bei floralen Motiven. Es gelang Peter Seharsch im Laufe seiner Karriere, die der Aquarellmalerei immanenten Qualitäten der Transluzidität und Leuchtkraft der Farbe ins Medium der per se eher pastosen Acrylmalerei zu übertragen, so dass auch hier Werke von durchschimmernder Lichtdurchlässigkeit und ineinanderfließender Motive entstehen. Seine Sylter Ansichten oder auch seine leuchtend gelben Rapsfelder der Wetterau zeugen davon. Gleichzeitig setzt Seharsch die Acrylfarbe aber auch pastos und dick mit Pinsel oder Spachtel auf der Leinwand in Szene, es entstehen materialhaft dichte Felsformationen, Klippen, Furchen und Gebirge, die sich von den transparent gestalteten Partien des Bildes markant abheben. Peter Seharsch gelingt es, durch seine breite Palette an künstlerischen Techniken die Motive zum Leben zu erwecken: man hört das Rauschen des Meeres, erahnt die rauhen Felsen, riecht die leuchtenden Blumen- und Rapsfelder förmlich, diese Urkraft der Natur fernab der Zivilisation.

In den letzten Jahren konzentriert sich Peter Seharsch verstärkt auf die abstrakte Malerei, die besonders gute Voraussetzungen für den intensiven Farbeinsatz bereithält und es ermöglicht , Emotionen und Befindlichkeiten auf der Leinwand auszudrücken. Das Medium der Acrylfarbe - einerseits in ihrem Zustand metaphysischer Leichtigkeit, andererseits in ihrem pastosen Urzustand verwendet- ermöglicht abstrakte Werke, die durch den Einsatz von Farben, Formen, Strukturen und Bildrhythmen das Innerste eines jeden Betrachters ansprechen und Bilder wachrufen, die in unserem Unterbewußtsein schlummern sowie zeitgleich Einblick in Peter Seharschs Seelenleben gewähren, das die Impulse für diese Bilder liefert.

Werke wie 'Gebetsfahnen' zeigen die Auseinandersetzung des Künstlers mit den Traditionen der Länder und wie er diese in abstrakten Zügen, allein mit der Aussagekraft der Expressivität der Farbe und Form, festhält. Letzte Bezüge ins Gegenständliche werden durch horizontale Linien angedeutet, die den Schwung und die Aneinanderreihung der im Wind rauschenden Fahnen nachvollziehen läßt.

Die künstlerische Vielschichtigkeit Peter Seharschs präsentiert sich auch in Werken wie 'Komposition mit Holz', in denen der Künstler sich nun im Medium der Objektkunst bewegt und Fundobjekte aus Holz mit dem klassischen Medium der Malerei zu einem spannungsreichen Gesamtwerk vereint. Ähnlich Robert Rauschenbergs 'Combine Paintings' entstehen Assemblagen, in der verschiedene Materialien - in diesem Falle Holz - mit Malerei kombiniert werden. Das Holz wird als 'Object trouvé' in einem neuen Zusammenhang präsentiert, das zu neuer Wahrnehmung des Holzes aber auch der es umschließenden Malerei anregt. Die Malerei greift zum einen die Struktur des Holzes auf und befaßt sich mit dessen Materie und Erscheinungsform, andererseits eröffnet sie weitergehende Assoziationen an vertikal gesetzte Strandlandschaften, in der das Holz als Treibgut gelandet sein mag und sich nun neu formatiert.

Es ist eben jene Vielschichtigkeit, die im Werk Peter Seharschs begeistert, ohne dass der Künstler dabei jemals den Blick auf das Wesentliche, das jedes Werk kennzeichnet, verliert.

Trotz aller Bekanntheit und Prominenz ist Peter Seharsch bodenständig geblieben. Er richtet sein Augenmerk auch weiterhin auf das für ihn Wesentliche: auf die intuitiv-künstlerische Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit sowie die ihm in seinem Innersten immanenten Bilder, die er für uns auf der Leinwand zum Gegenstand der Bewunderung werden lässt.